Kommentare -

0

Kommentare -

0

Spatial Ecosystem Stacking: Eine neue Form der „Spatial Community“

Die Apple Visi­on Pro ist ein Gerät, das sich in vie­ler­lei Hin­sicht von bis­he­ri­gen XR-Head­sets unter­schei­det. Nicht nur pri­mär auf­grund der tech­ni­schen Aus­stat­tung und den damit ver­bun­de­nen Preis, son­dern auch wegen der Nut­zer­grup­pe, die sich rund um das Gerät formt. Aus die­ser beson­de­ren Kon­stel­la­ti­on ent­steht etwas auf eine neu Art: Eine „Spa­tia­le Com­mu­ni­ty“ – rund um ein Öko­sys­tem, das sich nicht inner­halb einer Platt­form ent­wi­ckelt, son­dern direkt im Gerät selbst.

Wäh­rend vie­le VR-Platt­for­men und Anwen­dun­gen ver­su­chen, ihre Nut­zer in klar abge­grenz­ten, eige­nen Umge­bun­gen zu hal­ten (mit Nut­zungs­dau­er und Bin­dung von Inter­net­an­ge­bo­ten ver­gleich­bar), ver­hält sich das Öko­sys­tem rund um die Visi­on Pro anders. Hier wird das Gerät als ver­bin­den­des Medi­um zwi­schen Anwen­dun­gen, Inhal­ten und Men­schen ver­stan­den. Das sozia­le Mit­ein­an­der ent­steht nicht aus einer gro­ßen Social-App, son­dern aus der Kom­bi­na­ti­on vie­ler Bau­stei­ne: Per­so­na, Share­Play, Face­Time, Mul­ti-App-Work­flows und Anwen­dun­gen wie inSpa­ze, die als Treff­punkt die­nen, ohne selbst zum Zen­trum des Öko­sys­tems wer­den zu wol­len. Die­se addi­ti­ve Nut­zung ver­schie­de­ner Kom­po­nen­ten ist das, was ich als eine Art Spatial Eco­sys­tem Stack­ing bezeich­nen würde.

Die Nut­zer­grup­pe der Visi­on Pro spielt dabei eine zen­tra­le Rol­le. Sie ist im Ver­gleich zu ande­ren Gerä­te Platt­for­men klein, aber hete­ro­gen und oft tech­nik­af­fin. Vie­le nut­zen das Gerät beruf­lich oder im Kon­text krea­ti­ver Arbeit, sei es für Ent­wick­lung, Schnitt, Recher­che, 3D-Model­le, Medi­en­pro­duk­ti­on oder hoch­wer­ti­ge audio­vi­su­el­le Inhal­te. Die Kauf­ent­schei­dung erfolgt sel­ten impul­siv, son­dern meis­tens aus einem tech­ni­schen oder beruf­li­chen Inter­es­se her­aus. Und das nach lan­gen Infor­ma­ti­ons­pro­zes­sen oder Aus­pro­bie­ren bei Freun­den oder im Apple Store. Das führt zu einer Com­mu­ni­ty, die weni­ger auf Unter­hal­tung und mehr auf Aus­tausch, Pro­blem­lö­sung und Neu­gier aus­ge­rich­tet ist. Der Ton ist eher sach­lich und ziel­ori­en­tiert, was nicht zuletzt dar­an liegt, dass die Visi­on Pro von Beginn an eine gewis­se Ernst­haf­tig­keit aus­strahlt und kaum als „Spiel­ge­rät“ wahr­ge­nom­men wird.

Für die­sen Aus­tausch bie­tet sich das Gerät selbst als natür­li­cher Treff­punkt an. Zwar gibt es auch Dis­cords, Subred­dits und You­Tube-Kanä­le, die über das AVP-Öko­sys­tem berich­ten, doch die direk­te Kom­mu­ni­ka­ti­on im Gerät stellt einen ande­ren Erfah­rungs­wert dar. In einem spa­tia­len Umfeld las­sen sich Work­flows, Apps und Ideen unmit­tel­bar zei­gen. Die Per­so­na – ein foto­rea­lis­ti­scher Apple Ava­tar, der über einen Scan des eige­nen Gesichts ent­steht, bleibt als iden­ti­täts­stif­ten­des Ele­ment über alle Anwen­dun­gen hin­weg kon­sis­tent und schafft dabei eine Form der digi­ta­len Prä­senz, die weder künst­lich noch distan­ziert wirkt. Sie ist der eige­ne digi­ta­le Zwil­ling und damit klar genug, um dem Gegen­über ein Gefühl dafür zu geben, mit wem man es zu tun hat.

Platt­for­men wie inSpa­ze grei­fen die­sen Ansatz auf. Sie ver­su­chen nicht, ein eige­nes Uni­ver­sum zu schaf­fen, son­dern bie­ten einen kon­stant erreich­ba­ren Raum, in dem sich Visi­on-Pro-Nut­zer infor­mell begeg­nen kön­nen. inSpa­ze fun­giert dabei weni­ger als Sprung­brett, das man nach dem Start wie­der ver­lässt, son­dern eher als eine Art Hei­mat­ort im Gerät. Die Ver­bin­dung zur App bleibt bestehen, auch wenn Nut­zer zwi­schen immersi­vem Modus und Fens­ter­mo­dus wech­seln, ande­re Anwen­dun­gen öff­nen oder gemein­sam Inhal­te per Share­Play betrach­ten. Gesprä­che, Demons­tra­tio­nen und gemein­sa­mes Aus­pro­bie­ren fin­den wei­ter­hin vor dem Hin­ter­grund die­ser geteil­ten Umge­bung statt. Damit wird inSpa­ze zu einer sozia­len Dreh­schei­be inner­halb der Visi­on Pro, von der aus sich wei­te­re Apps und Diens­te dabei star­ten und nut­zen las­sen, ohne dass der Kern der Begeg­nung ver­lo­ren geht.

Dass Apple selbst den Begriff „Meta­ver­se“ augen­schein­lich ver­mei­det, wäh­rend vie­le Bau­stei­ne für eine sol­che Erfah­rung den­noch vor­han­den sind, zeigt, wie weit im Grun­de Apple damit schon bereits gewe­sen ist, ohne sich auf einen ent­spre­chen­den Begriff als wer­be­wirk­sa­mes Ele­ment bezie­hen zu wol­len. Die Per­so­na dient als wie­der­erkenn­ba­re digi­ta­le Iden­ti­tät, Share­Play als ver­bin­den­de Infra­struk­tur, und Face­Time ist seit Jah­ren im Apple-Kos­mos eta­bliert. Die Art, wie Inhal­te und Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Apps geteilt wer­den kön­nen, führt zu einer hohen Inter­ope­ra­bi­li­tät, die viel­leicht auf ande­ren VR-Platt­for­men ähn­lich vor­han­den sind, aber oft nicht über einen Audio­call wie beim frü­he­ren Team­speak nicht hin­aus­ge­hen. Die­se tech­ni­schen Grund­la­gen ins­be­son­de­re in Zusam­men­hang mit sei­ner Per­so­na ermög­li­chen eine sozia­le Ebe­ne, die in das Betriebs­sys­tem ver­an­kert ist, statt auf einer ein­zel­nen App zu beruhen.

So ent­steht nach und nach eine neue Form der digi­ta­len Gemein­schaft: nicht als geschlos­se­ne Welt, son­dern als wach­sen­des Netz­werk von Men­schen, die das Gerät selbst als Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Aus­tausch­platt­form mehr und mehr begrei­fen. Die „Spa­tia­le Com­mu­ni­ty“ ist kei­ne defi­nier­te Platt­form und kein fest umris­se­ner Raum. Sie ist viel­mehr das Ergeb­nis eines Gerä­te-Öko­sys­tems, das sozia­le Inter­ak­ti­on nicht vor­gibt, son­dern ermög­licht. Spatial Eco­sys­tem Stack­ing beschreibt genau die­ses Zusam­men­spiel: Nut­zer ver­bin­den ver­schie­de­ne Bau­stei­ne mit­ein­an­der und schaf­fen aus ihnen ihre eige­nen Orte, Gesprä­che und Arbeitsprozesse.

Noch ist die­se Form des digi­ta­len Mit­ein­an­ders in einem sehr frü­hen Sta­di­um. Die Nut­zer­zah­len sind nicht rie­sig, und vie­le Funk­tio­nen befin­den sich in Ent­wick­lung oder Aus­bau. Doch gera­de die­se frü­he Pha­se macht gut sicht­bar, wie sich ein neu­es sozia­les Mus­ter her­aus­bil­det – getra­gen von einer Nut­zer­schaft, die das Gerät ernst nimmt und die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten nicht nur kon­su­miert, son­dern aktiv erkun­det. Es ist kein fer­ti­ges Sys­tem, son­dern ein wach­sen­der Ansatz, der zeigt, wie sich digi­ta­le Räu­me ent­wi­ckeln kön­nen, wenn man Platt­form­gren­zen durch­läs­sig gestal­tet, das Betriebs­sys­tem mit Basis­funk­tio­nen Anwen­dun­gen ver­bin­det und die Inter­ak­ti­on in den Mit­tel­punkt eines räum­lich digi­ta­len Erleb­nis­ses stellt.

Tags:

Pierre Kretschmer

Senior Spezialist Digitales Marketing und Extended Reality. Gründer der VR Familie. Worldbuilder und Metaverse Enthusiast.

0 Comments

Submit a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ähnliche Artikel

Facebook Community

Werde Teil unserer Facebook-Community und bekomme alle News rund um die VR Familie direkt auf deinem Facebook-Newsfeed.